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CAPEX-Planung in der Fertigung: Spending Curve und Sunk Cost verstehen

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CAPEX Spending Curve: Investitionsplanung in der Fertigung





CAPEX-Planung in der Fertigung: Zahlungsplan, Spending Curve, Sunk Cost und Exit Exposure


CAPEX-PLANUNG

Nico Roepnack

Nico Röpnack  ·  März 2026  ·  6 Min. Lesezeit

Die meisten Fertigungsunternehmen wissen, wie viel eine Investition kostet. Aber nur wenige wissen, wann das Geld wirklich fließt, was bei einem Abbruch noch zu retten ist, und warum sie schlechten Projekten trotzdem gutes Geld hinterherwerfen.

CAPEX-Planung wird in vielen Unternehmen auf einen einzigen Moment reduziert: den Investitionsbeschluss. Der Vorstand nickt ab, das Budget wird freigegeben, und dann beginnt die eigentliche Arbeit. Was danach kommt, Cash-Timing, kumulierter Mittelabfluss, nicht rückholbare Kosten, potenzielle Exit-Kosten, wird selten mit derselben Sorgfalt gesteuert wie die ursprüngliche Entscheidung.

Dieser Beitrag erklärt die vier Konzepte, die jedes Investitionsprojekt in der Fertigung strukturieren sollten: Commitment Curve, Spending Curve, Sunk Cost Curve und Exit Exposure. Und er zeigt, wie das Gate Review System, das Lighthouse Consultings bei der FEW Automotive Group implementiert hat, genau diese Transparenz in den Projektalltag gebracht hat.

Die Herausforderung

Drei klassische Fehler
in der CAPEX-Steuerung

Investitionsprojekte scheitern selten an der Idee. Sie scheitern an der Steuerung. Hier sind die drei häufigsten Fehler, die wir in der Fertigungsindustrie beobachten.

Fehler 01

Beschluss mit Ausgabe verwechseln

Der Investitionsbeschluss und der Mittelabfluss liegen oft 12 bis 24 Monate auseinander. Wer beides gleichsetzt, verliert die Liquiditätsplanung aus dem Blick. Die Commitment Curve und die Spending Curve sind zwei völlig verschiedene Kurven.

Fehler 02

Sunk Cost nicht explizit tracken

Was bereits ausgegeben und nicht mehr rückholbar ist, wird selten als eigene Größe ausgewiesen. Das führt zu schlechten Abbruchentscheidungen: Unternehmen halten an Projekten fest, weil sie “schon so viel investiert haben”.

Fehler 03

Exit Exposure nie berechnet

Was kostet es, ein Projekt zu stoppen? Offene Lieferantenverbindlichkeiten, Konventionalstrafen und nicht erstattungsfähige Anzahlungen summieren sich schnell zu einem Betrag, der eine Fortführung erzwingt, obwohl ein Stopp betriebswirtschaftlich sinnvoll wäre.

34 %
aller Investitionsprojekte in der Fertigungsindustrie werden im geplanten Budget und Zeitrahmen abgeschlossen.
Quelle: McKinsey & Company

Die Drei Kurven

Commitment, Spending, Sunk Cost:
Drei Kurven, die jeder kennen muss

Jedes CAPEX-Projekt lässt sich durch drei Kurven beschreiben, die zeitlich versetzt verlaufen und unterschiedliche Steuerungsimpulse geben.

1. Commitment Curve: Wann Beschlüsse fallen

Die Commitment Curve zeigt, wann Entscheidungen getroffen werden, die spätere Kosten bindend machen. In der frühen Projektphase, typischerweise den ersten 20 Prozent der Laufzeit, werden oft 60 bis 80 Prozent der Gesamtkosten festgelegt. Diese Phase ist die entscheidende Steuerungszone.

2. Spending Curve und der Zahlungsplan

Die Spending Curve beschreibt, wann Cash tatsächlich abfließt. Bei Investitionsgütern in der Fertigung folgt der Zahlungsplan meist einem dreistufigen Muster:

Stufe 1

Bestellung / Anzahlung

Bei Auftragserteilung: erste Zahlung, häufig 30 bis 40 Prozent. Das Projekt ist gestartet, die Anlage existiert noch nicht.

Stufe 2

FAT: Factory Acceptance Test

Ca. 12 Monate nach Bestellung, beim Lieferanten. Zweite Rate fällig, oft weitere 40 bis 50 Prozent.

Stufe 3

SAT: Abnahme vor Ort

Ca. 24 Monate nach Bestellung. Mit der Abnahme wird die Restrate fällig. Erst jetzt ist die Transaktion abgeschlossen.

3. Sunk Cost Curve: Was nicht mehr zurückkommt

Die Sunk Cost Curve zeigt den kumulierten Anteil der Ausgaben, der bei einem Projektabbruch nicht mehr rückholbar ist. Diese Kurve steigt mit jeder Meilensteinzahlung steil an und ist das zentrale Instrument für die Abbruchentscheidung.

„Die drei Kurven divergieren zu Beginn und konvergieren zum Projektabschluss. Wer nur auf die Spending Curve schaut, sieht immer die Vergangenheit. Wer die Commitment Curve kennt, steuert die Zukunft.”

Nico Röpnack, Lighthouse Consultings

Exit Exposure

Was kostet ein Projektstopp
wirklich?

Exit Exposure =

Bereits geleistete Zahlungen
+ Offene vertragliche Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten
Rückholbare Anzahlungen und Kundenerstattungen
Restwert verwertbarer Komponenten

In der Praxis wird die Exit Exposure meist erst berechnet, wenn ein Projekt in ernsten Schwierigkeiten steckt. Dann ist sie maximal hoch und die Entscheidungsfreiheit minimal. Das ist die klassische Sunk Cost Trap, und sie lässt sich durch systematisches Controlling strukturell vermeiden.

Praxisbeispiel

FEW Automotive Group:
Transparenz als Systemleistung

Lighthouse Consultings hat bei FEW Automotive ein 5-stufiges Gate Review System implementiert, das die drei Kurven und die Exit Exposure als Standardbestandteil jeder Projektphase verankert. Investitionsentscheidungen werden nicht einmalig getroffen, sondern an definierten Meilensteinen aktiv bestätigt oder korrigiert.

Die technische Basis bildet Smartsheet, mit einer klaren Trennung zwischen Prozesssheets für die operative Steuerung und Projektberichten für das Management. Das Ergebnis: Transparenz über Commitment, Spending und Sunk Cost in Echtzeit, ohne manuelle Aufbereitung.

5

Gate Review Stufen mit definierten Entscheidungspunkten

3

Kurven im Echtzeit-Controlling: Commitment, Spending, Sunk Cost

1

Integriertes System: Smartsheet als Single Source of Truth

Selbst-Check

Wie steht Ihr Unternehmen heute da?

1

Können Sie heute für jedes laufende CAPEX-Projekt die Exit Exposure nennen, ohne erst drei Tage in Tabellen zu suchen?

2

Wird in Ihrem Unternehmen zwischen Commitment-Datum und Zahlungsdatum unterschieden, oder gelten beide als “Investitionszeitpunkt”?

3

Haben Ihre CAPEX-Projekte definierte Gate-Punkte, an denen die Fortführungsentscheidung aktiv bestätigt wird?

4

Ist der Sunk Cost-Anteil in Ihrem Projektcontrolling eine eigene Kennzahl, oder steckt er unsichtbar in der Gesamtkostenübersicht?

5

Wäre Ihr Management in der Lage, ein Projekt zu stoppen, das sich als Fehlinvestition erweist, oder würde die bereits investierte Summe die Entscheidung dominieren?

Nächster Schritt

Wo steht Ihr CAPEX-Controlling heute?

In wenigen Minuten zeigt Ihnen das CAPEX Quick Assessment, welche der drei Kurven in Ihrem Unternehmen heute blind gesteuert werden, und wo der größte Hebel liegt.

CAPEX Quick Assessment starten
Oder: Beratungsgespräch anfragen

Quellen: McKinsey & Company (2023): “Improving capital-project performance”  ·  KPMG Global Construction Survey 2023  ·  Lighthouse Consultings Adoption Survey 2026


Über den Autor

Nico Röpnack

CEO Lighthouse Consultings | Forbes Business Council Member

Nico Röpnack ist Experte für digitale Transformation und Ressourcenmanagement. Als Mitglied des Forbes Business Councils teilt er regelmäßig Insights zu hocheffizienten Systemlandschaften und Prozessautomatisierung.

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